Kunstprojekt

colour africa 2011
Zeitgenössische Kunst aus Zimbabwe

6. Juli – 6. August 2011
Amalienstraße 81, 80799 München

Kunstprojekt

colour africa 2011
Zeitgenössische Kunst aus Zimbabwe

6. Juli – 6. August 2011
Amalienstraße 81, 80799 München

colour africa 2011. Zeitgenössische Kunst aus Zimbabwe

Eine Kooperation von  Kulturallmende und Gallery Delta Foundation for Art and the Humanities, Harare
Förderer: Kulturreferat der Landeshauptstadt München und privaten Sponsoren

Die Ausstellung warf einen Blick auf die Entwicklung der Kunst in Zimbabwe, die 2011 zum ersten Mal mit einem Pavillon auf der Biennale in Venedig vertreten war. In München zeigten sechsundzwanzig Künstlerinnen und Künstler in den Räumen der Amalienstraße 81 über einhundert Arbeiten, entsprechend dem Programm der Gallery Delta Foundation, vor allem Malerei, Druckgrafik, Mixed Media Kunst und dreidimensionale Werke. Eine Kunst, die in den Jahren nach colour africa 2000 in der Münchner Rathausgalerie, Wege gefunden hat, um die Katastrophen, die durch eine autokratische politische Willkürherrschaft ausgelöst wurden und vor allem das Volk treffen, künstlerisch zu bearbeiten. Elend und Niedergang werden in diesen jüngsten Arbeiten thematisiert, an Schrecknisse und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wird erinnert, doch Ironie, künstlerische Rebellion und vor allem Farbe und Form triumphieren.
Die Gallery Delta hat die anhaltenden Maßnahmen zur Zerstörung der kulturellen Basis des Landes bisher überlebt. Derek Huggins und Helen Lieros, die die Galerie betreiben und die Stiftung ins Leben riefen, ist es bis heute gelungen, simbabwische Künstler zu motivieren, ihre Zukunft in der Kunst zu sehen. Sie haben ein Ausbluten der Kunst durch den Tod oder den Weggang ins Ausland einiger wichtiger Künstler aufgehalten, in dem sie weiter arbeiteten, junge Künstler aufbauten und andere in der Professionalität förderten.
colour africa 2011 zeigte zum einen die Maler, die schon 2000 in der Rathausgalerie dabei waren, wie James Jali, geb. 1971, Shepherd Mahufe, geb. 1967, Patrick Makumbe, geb. 1978, Lovemore Kambudzi, geb. 1978, Richard Witikani, geb. 1967, und Misheck Masamvu, geb. 1980, der damals Jüngste und nun auch für den Pavillon in Venedig ausgewählt. An ihnen konnte die Entwicklung und ein Wiedererkennen erfahren werden. Die Maler Rashid Jogee, geb. 1951, Thakor Patel, geb. 1932, der Bildhauer Arthur Azevedo, geb. 1935, und Helen Lieros, geb. 1940, die zuletzt mit ihrer Kirchenmalerei in Maputo Aufsehen erregte, zeigen mit ihren Arbeiten in colour africa 2011 die künstlerische Umgebung, in der die Jüngeren und Jüngsten ihre Vorbilder fanden. Zu diesen gehörten auch Arbeiten der früh verstorbenen Maler Ishmael Wilfred (1969 – 1998) und Luis Meque (1966 – 1998), die bis heute die nachwachsenden Künstler beeinflussen.
Doch ist es am erstaunlichsten, dass in den politisch und wirtschaftlich schlimmsten Jahren des Landes, zahlreiche junge Künstler aufgetaucht sind, die colour africa 2011 nun erstmals in München und in Europa zeigen konnte. Zu ihnen gehören die zwei Künstlerinnen Virginia Chihota, geb. 1983, und Portia Zvavahera, geb. 1985, die beide mit ausdrucksstarker, farbintensiver Druckgrafik auftreten, der Zeichner und Mixed Media Künstler Wallen Mapondera, geb. 1985, und die bereits sehr eigenständigen Maler Richard Mudariki, geb. 1985 und die vier 1981 geborenen Maler Admire Kamudzengerere, Munyaradzi Kapfumvuti, Munyaradzi Mugorosa und Tafadzwa Gwetai.
Der mit den Möglichkeiten der Perspektive spielende Mixed Media Künstler Munyaradzi Mazarire, geb. 1969, schafft mit seinen Werken dreidimensionale Illusionen, die mitten in den Lebensalltag hineinführen. Gareth Nyandoro, geb. 1982, arbeitet mit dem alten afrikanischen Motiv der Maske. Mazimba Hwati, geb. 1982, benutzt die unterschiedlichsten Materialien, um seine bissig-ironischen, dreidimensionalen Arbeiten zu erschaffen. Der 1972 geborene Greg Shaw ist als abstrakter Maler bekannt geworden. Mit seinen jüngsten in München gezeigten Mixed Media-, manchmal dreidimensionalen, Arbeiten hat er den künstlerischen Ausdruck für das Unbehagen und die Verzweiflung angesichts des ihn umgebenden Niedergangs gefunden.
Der Maler Cosmas Shiridzinomwa, geb. 1974, war der einzige Künstler, der zur Ausstellungseröffnung in München anreisen konnte. Er wurde vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München und von der Pasinger Fabrik ins Ebenböckhaus zu einem vierwöchigen Aufenthalt eingeladen. Shiridzinomwa hat in seiner, Anfang 2011 in der National Gallery Harare gezeigten, Solo Ausstellung The Chronicles seinen Blick auf Zimbabwe und auf das Schicksal seiner Menschen dargestellt. Seine meist großformatigen Bilder thematisieren die jüngste Zeitgeschichte. Er öffnet die Schränke (closet series), in denen das Verdrängte oder Tabuisierte verborgen ist, und malt, was er sieht. Obwohl wir zu Recht annehmen, dass der Anblick, der ihn/uns erwartet, bedrückend ist, sind seine Bilder durch die Farbe, die künstlerische Formgebung und Symbolkraft befreiend. Sie ermöglichen ein Hinsehen, das Ansehen des Verdrängten. Während seines Aufenthalts im Gastatelier in der Münchner Domagkstraße malte Shiridzinomwa zahllose Bilder zum selbstgestellten Thema Scars/Narben, Portraits von Menschen, Landschaften und Behausungen, die Zerstörungen ausgesetzt waren. Auch in diesen Werken stiften Ausdruck und Farbe Versöhnung mit dem eigentlich Unversöhnlichen.

Katalog colour africa 2011