31.08.–03.09.2018
Kunst- und Literaturprojekt

Eine Brücke aus Papier – Міст з паперу 

Viertes Deutsch-Ukrainisches Schriftstellertreffen in der Ukraine 2018 in Mariupol am Asowschen Meer

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Das Treffen in Charkiw 2017 hatte uns gezeigt, wie wichtig die Präsenz eines Kulturprojektes im Osten der Ukraine ist und auf welch beeindruckend großes Echo es dort stößt. Deshalb entschieden wir uns, 2018 mit der "Brücke" nach Mariupol zu gehen. "Eine Brücke aus Papier" will den Menschen der Stadt am Asowschen Meer signalisieren, dass sie nicht vergessen sind. Obwohl sie scheinbar abgeschnitten vom Rest Europas leben – Mariupol ist 20 Kilometer vom Konfliktgebiet, in dem sich Ukrainer und prorussische Separatisten direkt bekämpfen, und 30 Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt – hat die europäische kulturelle Öffentlichkeit sie weiterhin im Blick. Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller und alle, die an der Brücke aus Papier teilnehmen, suchen in Mariupol die Begegnung und den Austausch mit der lebhaften Kulturszene der Stadt, ihrem Publikum und ihren Akteuren.

Mariupol geht auf eine krimgriechische Gründung im 18. Jahrhundert zurück. In der sowjetischen Zeit von 1948 bis1989 trug die Stadt den Namen Schdanow, nach einem in Mariupol geborenen stalinistischen Funktionär. Heute hat Mariupol ungefähr 500.000 Einwohner und beherbergt zusätzlich 100.000 Binnenflüchtlinge aus dem Kriegsgebiet im Osten der Ukraine. Die Stadt ist immer noch geprägt von der sowjetischen Zeit. Symbolisch dafür stehen die beiden großen Stahlwerke „Iljitsch“ und „Asowstal“, in denen fast 50.000 Menschen arbeiten. Als strategisches Ziel der prorussischen Separatisten war Mariupol in den Jahren 2014 und 2015 stark umkämpft, denn über die Hafenstadt wäre der Landweg zum Meer gesichert gewesen. Dem Donbass fehlt mit Mariupol der Hafen, über den sie ihre Produkte verschiffen oder auf dem Seeweg Rohstoffe hätten beziehen können. (Quellen: Jutta Sommerbauer „Die Ukraine im Krieg, Wien 2016 – Teilnehmerin der „Brücke aus Papier“ in Charkiw 2017; Institut für Slawistik der HU Berlin, Programmankündigung vom 16. November 2017 über das Kulturzentrum „Platforma Tju“ in Mariupol).

In ihrem mit dem Leipziger Buchpreis 2017 ausgezeichneten Roman „Sie kam aus Mariupol“ erforscht die deutsche Schriftstellerin Natascha Wodin das Schicksal ihrer Mutter. Gleichzeitig bringt sie dem deutschsprachigen Lesepublikum die aufwühlende Geschichte der südostukrainischen Stadt näher. So wurden Wodins Eltern aus Mariupol von den Nazis als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert. 1941 bis 1943 besetzten Truppen der deutschen Wehrmacht die Stadt, die während dieser Zeit viele Zerstörungen erlitt. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung wurde ermordet. Mit dieser unheilvollen Vergangenheit ist „Eine Brücke aus Papier“ in allen Städten der Ukraine und so auch in Mariupol konfrontiert. Bei jedem der Treffen zwischen ukrainischen und deutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern wird sie auf unterschiedliche Weise zur Sprache gebracht. 

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4. Deutsch-Ukrainisches Schriftstellertreffen in Mariupol vor dem Kulturzentrum Platforma TJU am 3. September 2018, Foto: Dmitry Chichera.

Teilnehmende Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der Ukraine:
Sofia Andruchowytsch, *1982 in Iwano-Frankiwsk, lebt in Kiew.
Olexandr Irwanez, *1961 in Lwiw, lebt in Irpin, bei Kiew.
Wladimir Rafejenko, *1969 in Donezk, lebt in Kiew.
Grigory Sementschuk, *1991 in Lwiw, lebt dort.
Witalij Tschenskyj, *1975 in Mariupol, lebt in Kiew.
Serhij Zhadan, *1974 in Starobilsk, lebt in Charkiw.

Teilnehmende Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem deutschsprachigen Raum:
Daniela Danz, *1976 in Eisenach, lebt in Kranichfeld.
Anja Kampmann, *1983 in Hamburg, lebt in Leipzig.
Alexander Milstein, *1963 in Charkiw, lebt in München.
Hans Pleschinski, *1956 in Celle, lebt in München. 
Ulrike Almut Sandig, *1979 in Großenhain, lebt in Berlin.
Noemi Schneider, *1983 in München, lebt in Weiler/Allgäu.  

Im Videogespräch
Natascha Wodin, *1945 in Fürth/Bayern, lebt in Berlin und Mecklenburg. Autorin des Romans "Sie kam aus Mariupol", Reinbek bei Hamburg 2017.     

Als Vortragende nehmen teil:
Nick Baker-Monteys, *1964, Drehbuchautor und Regisseur, lebt in Berlin. Sein Spielfilm „Leanders letzte Reise“, 105’, D 2017 mit Jürgen Prochnow in der Hauptrolle, eröffnet das Treffen.

Prof. Dr. Karl Schlögel, *1948 in Hawangen bei Memmingen, Professor em., Historiker und Publizist, zuletzt lehrte er Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, lebt in Berlin. Viele Publikationen zur Ukraine. Erhielt den Deutschen Historikerpreis 2016 und den Leipziger Buchpreis 2018 in der Kategorie Sachbuch für sein Werk "Das sowjetische Jahrhundert".

Felix Stephan, *1983 in Berlin, lebt in München, Literaturredakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und Autor des Buchs „Slawa und seine Frauen. Das zweifelhafte Leben meines Großvaters“, München 2017, das eine ostdeutsche Familie mit ihrer jüdisch-ukrainischen Herkunft konfrontiert. 

Sergej Pachomenko, *1973 in Mariupol, Historiker, außerordentlicher Professor für Internationale Beziehungen und Außenpolitik an der Staatlichen Universität Mariupol. U.a. Mitarbeiter an dem vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine geförderten Forschungsprojekt »Die Südostregion der Ukraine unter den Bedingungen der gesellschaftspolitischen Krise«.

Detailliertere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite www.paperbridge.de

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